Leitung: Fritz Adolf

Die Wanderung von Lalden nach Brig mit Besichtigung der Festung von Naters ist nach Programm die letzte diesjährige Donnerstag-Wanderung. Nicht verwunderlich, dass dreissig Kameradinnen und Kameraden der Einladung von Fritz Adolf folgen. Erstmals willkommen heissen können wir Samuel Germann und Fritz Fahrni. Auch Hans Herrmann ist dabei, er hat seine Krankheit grösstenteils überwunden. 

Auf den verlangten Halt lädt uns der "Lötschberger" in Lalden aus, wo die Wanderung um halb zehn Uhr beginnen kann. Wir befinden uns zirka 150 m über dem Talboden des Wallis. Im ersten Abschnitt folgt der neu erstellte Weg den Gleisen der Lötschbergsüdgrampe bis zur Abzweigung nach Brigerbad. Unter der Bahn hindurch steigen wir dann einige Meter empor und gelangen auf einen schönen Aussichtsplatz, wo wir auf einen grossen Teil des Oberwallis über und unter uns blicken können. Von hier wird der Weg steiler, wir schnallen also die Wanderstöcke vom Rucksack und folgen nun dem gut ausgebauten Weg, mal hinauf, mal wieder hinunter, über Steintreppenstufen, durch lauschige Wäldchen und Matten. Der Himmel hellt sich zusehends auf, über uns die frisch verschneiten Berggipfel. Der Boden ist schon ordentlich mit den bunten Blättern bedeckt, vor allem von Eberesche und Bergahorn. Aber auch Espen, Erlen, Nussbäume, Birken und sogar Edelkastanien treffen wir hier in diesem steilen, von Altkristallin durchzogenen Gelände an. Nach zwei Stunden gelangen wir zum Rastplatz, wo wir auf Bänken und Tischen unter Dach oder im Freien unsere Leckerbissen verzehren können. Heisser Tee oder Kaffee sind bei diesen Temperaturen um die 15° C sehr bekömmlich, aber auch ein Becher Roten wird nicht verachtet. Bis zur Festung, welche jetzt "Gardemuseum" genannt wird, ist es noch eine knappe Stunde. Der Mundbach erinnert uns an den Safran-Anbau im Dorf über uns, der einzige Ort in der Schweiz, wo nach jahrhundertelanger Tradition heute noch das kostbare Gewürz Crocus sativusangepflanzt wird. Safran, doppelt so teuer wie Gold, kostet zwischen 60 und 100 Franken pro Gramm. Eine Suone (künstlicher Bewässerungskanal) begleitet uns nun auf den flachen Streckenabschnitten. Bald fällt der Blick auf Brig-Glis hinunter. Die vielen Gleise weisen auf den wichtigen Verkehrsknotenpunkt hin. Von Graubünden, von Italien, vom Genfersee und vom Bernbiet begegnen sich hier die Züge, darunter der bekannte Glacier-Express.

Nochmals geht es an steilen Felswänden vorbei, dann stehen wir nach 780 Treppenstufen auf und ab plötzlich auf dem Vorplatz der alten Militärfestung, wo uns zwei Führer herzlich empfangen. Bis 1994 fanden hier noch Wiederholungskurse statt. Die Schweizer Armee gab zu dieser Zeit ihre Festungsanlagen frei und die Gemeinde Naters kaufte ihr 2005 den Simplon-Bunker ab. Bevor wir die Stollen betreten, informieren uns die Führer über Geografie und Geschichte und dass hier im zweiten Weltkrieg eine grosse Bedrohung von Süden her bestand. Dann geht’s in den Berg hinein, wo von 1939 bis 1943 über 100 km Stollen, Bunker und Kavernen herausgebrochen worden sind. Wir besichtigen die Unterkünfte mit Küche und Essräumen, wo 200 Mann und 12 Frauen Platz fanden. Im Dreischichtbetrieb (Arbeit, Freizeit und Schlafen) leisteten hier die Mannschaften jeweils zwei Monate lang Dienst, bis sie abgelöst wurden. Mit zwei 10.5 cm und vier 7.5 cm Kanonen und Maschinengewehren erreichte man von hier aus das Oberwallis, das Nordportal des Simplontunnels, Domodossola (ca. 30 km Luftlinie), das Vispertal und die Umgebung von Brig. In den Munitionsräumen lagerten über 40'000 Geschosse.

2006 wurde hier das Museum der Schweizergarde  eröffnet. In den vergangenen Jahrhunderten stellte kein Dorf so viele Gardisten wie Naters. Unsere Führer sind auch ehemalige Gardisten des Papstes. Auf unserem Rundgang besuchen wir auch das Museum mit Erinnerungsstücken aus den Weltkriegen, die Kommando- und Lüftungszentrale, die Notstromanlage und den Notausgang. Sogar ein Käselager ist hier eingerichtet, wo der Käse während fünf Monaten im Felsen reift und die typisch dunkelbraune Rinde erhält.

Wieder an das Tageslicht gewöhnt, verabschieden wir uns von den beiden sympathischen Führern und nehmen den letzten Streckenabschnitt nach Naters unter die Füsse, hinab durch einen Kreuzweg und dann die Judengasse hinunter durch den alten Stadtteil zum Restaurant Lötschberg. Der süffige Johannisberger schmeckt prima. Dann noch ein paar Schritte zum Bahnhof Brig, den Blick nochmals hinauf zur Festung gerichtet. Auf der gleichen Bahnstrecke zurück treffen wir gegen sieben Uhr in Burgdorf ein.

Fritz hat wieder einmal sein Talent für Organisation und Führung bewiesen. Wir danken dir, Fritz, herzlich für diesen tollen Wandertag!

Fotos: Martin Leuzinger und Kurt Oppliger

 

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