plaisirklettern

Leitung: Beni Herde

Teilnehmer: Werner Badertscher, Markus Breitenstein, Christoph Gubser, Bernhard Manz, Hans Mosimann, Jakob Schibli, Fritz Tanner.

Klettergebiet: Aostatal und Traversella im Valchiusella (Seitental des Aostatales) – Urgestein.

Montag: Um 5 Uhr treffen wir uns am Bahnhof Burgdorf mit Hans, der uns ins Aostatal chauffiert. Beni fährt mit einem zweiten Auto und lädt unterwegs Jakob und Christoph auf. Im Wallis, kurz vor Martigny treffen wir uns bei einem Kaffee und fahren anschliessend über den Grd. St. Bernard hinüber ins Aostatal. Oben auf dem Pass sind noch recht winterliche Verhältnisse, aber unten in Arnad-Bard ist es angenehm warm. Arnad-Bard ist ein kleiner Weiler etwa 200 m über dem Talboden. Dort lassen wir die Autos stehen und steigen durch den Wald hinunter zum Einstieg der Route «Doctor Jimmy». Ganze 12 Seillängen führt die Route über prächtigen, rauen Gneis in die Höhe. Am Anfang ist der Lärm der Autobahn noch störend, aber die Aussicht ist prächtig hinunter auf das Aostatal und die mächtige Festung von Bard, die Anfangs 1800 gebaut wurde. Fast zuoberst hindert uns eine 6a Stelle am zügigen Aufwärtsstreben. Aber mit einem herzhaften Griff in die Haken kann uns dies nicht bremsen. Nach zweimaligem Abseilen sind wir auf dem Pfad, der uns zu den Autos und weiter zu einem kühlen Bier führt. Das war wahrlich ein gelungener Start in die Klettertage. Nun haben wir noch einige Autokilometer vor uns. Weiter nach Süden über die Autobahn bis nach Ivrea wo wir ins Valchiusella einmünden. Traversella ist ein kleiner Minenort, wie wir später erfahren, mit einer für unsere Begriffe riesigen Kirche. Unsere Pension ist weg vom Dorf, nahe dem Fluss auf einer grünen Matte. Unser erster Eindruck, sehr rustikal, viel altes Zeug ums Haus (kreative Unordnung), dann die Diskussionen, wer schläft zusammen im Ehebett. Der zweite Eindruck, die Zimmer, die WCs sind sauber, alles da, was will man mehr. Der dritte Eindruck, Rosanna unsere Gastgeberin kocht fürstlich gut und das noch für wenig Euro. Wir sind zufrieden mit dem Tag, die Regeln für die Ehebettschläfer sind inzwischen auch festgenagelt, also gute Nacht.

Dienstag: Nach dem üppigen Morgenessen fahren wir mit dem Auto ins Dorf hinauf, und gehen dann  etwa eine halbe Stunde zu Fuss zum «Rifugio B. Piazza». Kaffeehalt und weiter zu den Felsen «Cotoletta». Links und rechts vom Rifugio ragen Felsen aus dem Kastanienwald, gespickt mit über 700 Routen von 3a bis 8a. Da gibt es also für uns genügend Möglichkeiten. Wir fangen klein an, zum Einklettern eine 3a Route, die scheint uns schon schwierig und später eine 5a, fast nicht machbar. Wir sind ein wenig frustriert. Der Fels ist sehr gut, nicht so rau wie gestern, super abgesichert aber man muss sich angewöhnen. Gut, man kann sich auch mal über einen Umlenkkarabiner von oben sichern lassen, da einige Routen kurz sind. Irgendwann am Nachmittag ist vor allem der Kopf müde und braucht einen kühlen Trunk. Jakob organisiert, dass wir im Rifugio die Seile deponieren können. Dafür werden wir am nächsten Morgen wieder einen Kaffee trinken. Sogar Trump würde zugeben, dass das ein guter Deal ist. Nach dem Duschen, ausruhen und schön machen (soweit möglich). Wir wandern zurück ins Dorf und essen im örtlichen Hotel «Albergo Miniere» ein gutes Nachtessen, fast so gut wie bei Rosanna. Hier warten wir nur länger und zahlen mehr. In der Nacht auf dem Weg zu unserer Unterkunft, werden wir von unzähligen Glühwürmchen begleitet, Lichtlein fast wie ein Gruss aus einer andern Welt. 

Mittwoch: Wie gestern gutes Morgenessen und zweiten Kaffee im Rifugio. Diesmal steigen wir zur «Placce Nere». Mit dem Angewöhnen dauert es wohl etwas länger. Immerhin schaffe ich schon anständig eine 4b Route. Das italienische Militär ist auch neben uns in den abschüssigen Platten am Üben . Wir wechseln zum Sektor «Primo Salto», aber aus den grauen Wolken beginnt es zu tropfen. Im Rifugio trinken wir noch ein grosses Bier und im leichten Regen steigen wir ins Dorf hinunter zu den Autos. Duschen, schlafen oder lesen oder die Kombination von den beiden letzteren und um 19.30 zaubert Rosanna wieder sechs Gänge auf den Tisch. 

Donnerstag: Der Wetterbericht ist nicht sehr erfreulich, so steigen wir heute früher zu den Kletterfelsen hinauf. Um vor dem angesagten Regen doch noch klettern zu können, wollen wir auf den Kaffee im Rifugio verzichten. Aber oha, die Hüttenwartin hat den Kaffee schon bereit. Jedem seinen Espresso mit einem Glas Wasser. Wir beginnen wieder im Sektor «Primo Salto», Fritz und ich über die Route «Tetto Rosso» 4 SL hinauf. Die Namen der Routen sind wie Musik, «Vispa Teresa, Liberate Mario, Secondula», sogar «Normale» tönt nicht gewöhnlich. Oben finden wir alle zusammen und wenden uns nun nach links der «Secondo Salto» hin. Aber mein Seilpartner braucht noch einen Ausflug nach rechts. Ich, im Schlepptau, angeseilt, kämpfe mich durch mannhohes Farn, verkohlte Bäume hinauf, um über glitschige Felsen wieder zum Ausgangspunkt zurück zu gelangen, zunehmend übelgelaunt. Wir wenden uns nun auch nach links und oben sehe ich gerade noch Werner über einen Wulst verschwinden. Beim Aufstieg über die Route «La Viola e la grigia» ist meine Welt wieder in Ordnung. Die Vorträge zu dem Thema «wie setze ich mich durch», lasse ich über meine Regenjacke perlen wie den einsetzenden Regen, der unseren Klettertag vorzeitig beendet. Durch üppige, nasse Vegetation steigen wir auf fast unsichtbaren Pfaden durch die Felslandschaft hinunter zum Rifugio und einer Runde Bier unter einem trockenen Dach. Die Sonne bricht wieder durch, die Kleider trocknen, wir steigen zum Dorf hinunter. Dort werden die Schleusen wieder geöffnet, Regen und Hagel treiben uns ins Auto. Auch heute gilt der letzte Satz vom Mittwoch: Duschen, schlafen oder lesen oder die Kombination von den beiden letzteren und um 19.30 zaubert Rosanna wieder sechs Gänge auf den Tisch. 

Freitag: Schwer und grau hangen die Wolken über den Bergen und Wäldern. Es macht keinen Sinn nochmals hinauf zum Rifugio und den Felsen zu steigen. Etwas unschlüssig fragen wir unsere Wirtin nach dem Mineralien Museum, das im Dorf oben angeschrieben ist. Zu unserer Überraschung ist die -Sammlung im Erdgeschoss unserer Unterkunft. Da liegen nun die Schätze, Kristalle, Mineralien, Gegenstände aus der Mine und etwa drei alte Vespas. Alles Funde die der Mann von Rosanna heimgetragen hat. Wir vernehmen auch, dass die ehemalige Mine von Traversella etwa 76 km Gänge aufweist. Da waren wohl viele Menschen am Werk, darum die grosse Kirche und die riesigen Geröllhalden rings um den Ort. Rosanna empfiehlt uns den Klettergarten «Montestrutto» im Aostatal, nahe der Autobahn nach Norden. So packen wir unsere Sachen und nehmen Abschied von der freundlichen Umgebung und der Gastgeberin. In Quincinetto verlassen wir die Autobahn und peilen den Klettergarten an. Man kann viel klettern, an vielen kurzen Routen, direkt von der gemähten Liegewiese aus, max. 100 m vom kleinen Restaurant entfernt, das Kindergeschrei ist wie in einer Badeanstalt und ich habe mich noch immer nicht an den Stein und die Schwierigkeiten gewöhnt. Eine Weile brennt die Sonne, dann macht der Regen dem Treiben ein Ende. Wir machen uns auf den Heimweg. Auf dem Grd. St. Bernard nochmals eine gemeinsame Fahrpause. Weiterfahrt, der Fahrer schläft nicht, der Beifahrer versucht im Gespräch zu bleiben und hinten nicken die Gäste abwechslungsweise ein. In der Raststätte Grauholz treffen wir uns nochmals, zahlen den beiden Fahrern Hans und Beni die Fahrkosten und danken ihnen für’s sichere heimsteuern. 

Besonders danken wir alle Beni für die ganze Organisation. Wir erlebten, wie schon früher, schöne, fröhliche Tage, aber auch manchmal fordernde Momente.  Vielen Dank Beni für dieses «Plaisir».

Bernhard Manz

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