"Erheblich, Triebschnee, ab 2000m, von Südwest über Nord bis Südost". Erheblich war auch die Schwierigkeit, bei dieser Ausgangslage eine Alternative zur Schwalmere zu finden, deren Besteigung unter diesen Umständen nicht zu verantworten war. Mit dem Gemschberg (Grindelwald) und einigen lohnenden Zugaben haben wir sie gefunden. Aber der Reihe nach:

 

Tourenleiter: Peter Stähli

Teilnehmer: Tomas Samoel, Rolf Stettler, Susanna Regli, Michael Lobsiger, Christine Held, Giorgio Tedde, Paul Schmutz, Ueli von Känel

Bilder: Peter Stähli, Susanna Regli, Giorgio Tedde

 

Um 0600 Uhr besammelte sich der grösste Teil der Gruppe beim Hallenbad Burgdorf, Susanna stieg in Bern zu und der mit dem Zuge reisende Giorgio in Meiringen. Bei durchaus sportlichen Strassenverhältnissen erreichten wir die Schwarzwaldalp, wo wir um ca. 0830 Uhr starteten.

In zügigem Tempo erreichten wir nach ca. 1h15' die Alp Scheidegg Oberläger, wo wir uns - ab hier war Sonne - eine erste Pause gönnten. Dann stiegen wir in flottem Tempo weiter auf die Krete, westlich Pt. 2006, und wandten uns gegen die Schlüsselstelle bei Pt. 2156, eine steile Mulde, die den Zugang zum Gipfelhang eröffnet. Mit Entlastungsabständen von 20 m liess sich die Stelle gut passieren. Weiter ging es den nicht enden wollenden Gipfelhang empor, was den sportlichen Elan der Gruppe aber nicht minderte. Der Hang bot gut gesetzten Altschnee mit kleinen, gut erkennbaren Triebschneelinsen, die umgangen bzw. als nicht gefährlich betrachtet werden konnten.

Mit 15' Vorsprung auf die Marschtabelle erreichten wir nach ca. 3h30' den Gipfel des Gemschberges (2658 m.ü.M.), bei mässigem Wind, prächtigem Wetter und bis hierher um gut 1200 Höhenmeter reicher.

Angesichts des Windes machten wir uns rasch an die Abfahrt. Die vorhandenen Abfahrtsspuren waren offensichtlich von Kennern gelegt worden; wir orientierten uns daran und wurden mit festem, tragendem, trockenem, sehr gut zu fahrendem Schnee belohnt. Kurz oberhalb der Schlüsselstelle folgte dann eine ausgedehnte Mittagspause. Trotz sportlichem Charakter der Tour fehlten Kaffee und Kirsch nicht. So konnten wir die noch lange nicht beendete Tour mit frischen Kräften fortsetzen.

Einem kurzen Couloir folgten immer neue, kurze, erstaunlich gut zu fahrende Hänge. Angesichts der Lawinen- und Wetterprognosen war auch die Abfahrt bis hierher eine einzige positive Überraschung, was die strahlenden Gesichter der Teilnehmer erklärte (und eine beim Leiter sich einstellende Kombination von Erleichterung und Euphorie...).

Nach der Traverse zu den Chiemattenhubla, unserem zweiten Gipfel (immerhin: 2028 m.ü.M.) entschieden wir uns, noch eine Abfahrt in südwestlicher Richtung anzuhängen: Über einen angenehm geneigten Hang mit nicht verblasenem, überraschend gut erhaltenem Puverschnee fuhren wir ab bis zur Alp Stepfi (1800 m.ü.M.), wo wir wieder die Steigfelle montierten.

Dass der Pulverschnee doch etwas schwerer war als auf schattigen Nordseiten, habe ich dann beim Hochspuren zur Grossen Scheidegg gespürt. Dort angekommen, hatten wir auch den durch die Mittagspause etwas durcheinander geratenen Zeitplan wieder eingeholt. Nun empfand ein Detachement Übermütiger, angeführt durch den Übermütigsten, dank gelber Jacke gut Erkennbaren, noch das Bedürfnis, die Trilogie zu vollenden und auch den skifahrerisch nicht lohnenden Schafhubel (2035 m.ü.M.) als dritten "Gipfel" zu besteigen. Mit einem Skidepot und einigen Metern Fussaufstieg in der Falllinie klappte dies bestens. Wer bei Anstrengung Glücksgefühle empfindet, kam hier auf seine Rechnung. Es war richtig steil. Wie viele Schafe deswegen an ihrem Hubel schon abgestürzt sind, entzieht sich meiner Kenntnis.

Nun folgte die Abfahrt zurück zur Schwarzwaldalp. Wir folgten der Schneeschuhroute (im ganzen Gebiet herrscht Routengebot, Ski sind Schneeschuhe im weiteren Sinne), die so früh im Jahr noch den ganzen Vormittag im Schatten liegt. Also trafen wir schönen Pulverschnee auf tragender Unterlage an und konnten genüsslich die Kehren der Passstrasse abkürzen, bis wir dann im Schwandboden (Pt. 1617) auf die weissgeräumte, pistenähnliche Strasse einbogen. Diese verliessen wir erst bei Pt. 1520 wieder, um die letzten Abfahrtsmeter auf einer sehr angenehm zu fahrenden Ratrac-Piste hinter uns zu bringen. Nach ca. 7h15' trafen wir, dank reibungsloser Abfahrt, mit ca. 30' Vorsprung auf die Marschtabelle wieder auf der Schwarzwaldalp ein.

Nach einer Einkehr im Restaurant des Chalet-Hotels Schwarzwaldalp (wo man nicht nur Weizenbier, sondern auch hervorragende Crémeschnitten und viele weitere Delikatessen kriegt), machten wir uns an die Rückfahrt nach Burgdorf.

Angesichts der ungünstigen Lawinen- und Wetterprognosen war es für alle Beteiligten eine grosse Genugtuung, dass uns das Rosenlaui-Gebiet eine derart schöne Alternative zur Schwalmere ermöglichte. Auch die Idee, eine Tour einmal bewusst in etwas sportlichem Tempo anzugehen, scheint im SAC ihr Publikum zu haben. Alle haben die mit ca. 1600 Höhenmetern und etlichen Horizontalpassagen lange Tour problemlos mit einem Aufstiegstempo von über 400 Höhenmetern / h bewältigt.

Allen Teilnehmern meinen herzlichen Dank und Gratulation für das sportliche Mitgehen, es war mir eine grosse Freude!

 

Burgdorf, 6. März 2017

Peter Stähli

 

Kommentare  

#1 Brawand Ueli 2017-03-07 03:57
Gratuliere zu der schönen Tour!
Den Gemschbärg hätte ich auch gerne mal gemacht. Beim Schafhubel sind bis jetzt nur Zuschauer vom alljährlich stattfindenden Scheidegg-Schwinget abgestürzt. Weniger wegen dem Gelände, sondern wegen den geistreichen Getränken.
:-) :P

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