Frühmorgens um 7 Uhr besammeln wir uns vor dem Bahnhof Burgdorf, ausgerüstet für unsere erste 2-Tages Tour in diesem Jahr. Wir sind: Renate Berger, Käthi Burkhard, Anna Grossenbacher, Hannah Hardmeier, Lisabeth Isenschmid, Therese Ramseyer und ich, Rosmarie Leuenberger und Rosmarie Zimmermann stossen auf der Strecke Olten – Luzern – Erstfeld – Göschenen zu uns.
Prächtiges Wetter ist angesagt! Gespannt steigen wir in Göschenen ins Postauto ein, das uns zum Staudamm des Göscheneralpsees führt. Wir entscheiden, trotz des baldigen Mittags im Restaurant Dammagletscher etwas zu trinken und später, nach einer guten Stunde Marsch zu picknicken. Gesagt, getan. Auf der Staumauer können wir uns nicht satt sehen an der Blumenpracht, wunderbar! Doch noch nicht genug. Sobald wir über dem See etwas an Höhenmeter gewinnen, schlängelt sich unser Pfad durch blühende Alpenrosenmatten, eine Augenweide! Weiss schäumend und tosend schiesst von Nebentälern gefasstes Wasser in das Seebecken.
Uns gegenüber entdecken wir die Bergseehütte und Anna’s scharfes Auge erspäht unterhalb des Dammagletschers auf einem Felsenmassiv „unsere“ Hütte. Wir atmen die frische Bergluft ein, gemächlich schreiten wir voran, auf und ab, immer noch links und rechts die Alpenrosenfelder so weit das Auge reicht. Nach zwei Marschstunden erreichen wir die Dammareuss und überqueren sie auf einem Steg, der sanft unter unseren Schritten schwingt. Dankbar lagern wir uns am Fusse der Seitenmoräne des Dammagletschers. Nunmehr sind stotzige 500 Höhenmeter zu überwinden. Ich rechne mit weiteren zwei Marschstunden für den Aufstieg bis zur Hütte.
Wir zweigen in den Panoramaweg ein, der über eine Wegschlaufe an Höhe gewinnt. Vor uns breitet sich in einem Halbrund die Kulisse der Dammastöcke mit ihrem Gletscher. Ein gewaltiger , unvergesslicher Anblick! Langsam arbeiten wir uns über die Seitenmoräne hoch, die Nachmittagsonne scheint heiss auf unsere Köpfe. Wir begegnen Bergwanderern auf dem Heimweg. Schafe weiden auf fetten, tiefgrünen Grasabschnitten, die verstreut zwischen Felsbrocken liegen. In einem Kehr winkt hoch über uns die Hüttenfahne. Gegen 17 Uhr erreichen wir alle unser Ziel. Es waren lange zwei Stunden!
Herzlich begrüsst uns Franz Studer, der Hüttenwart. Seine Frau Lydia steht in der Küche. Sie bereitet für uns und für die anderen Gäste ein 4-Gangmenü vor. Wie hat uns die Mahlzeit gemundet ! Bald legen wir uns schlafen. Wahrlich, es kann nur von „Löie“ die Rede sein: Kopf an Kopf liegen wir dicht nebeneinander. Bis auf einen sind alle Schlafplätze besetzt! Da, was sehe ich? Ein Gespenst? Nein, es ist Käthi, sie steht im Gang im weissen Hüttenschlafsack! Sie wollte den Nachthimmel sehen mit seinen Sternen, die Milchstrasse, einzigartig!
Am Morgen treffen wir uns zum Frühstück: Birchermüesli und selbstgebackenes Brot stehen auf dem Tisch. Danke Lydia und Franz für die Gastfreundschaft! Strahlend steht die Sonne am Himmel. Um 8 Uhr ist Abmarsch, Franz hält uns alle im Bild fest. „Der erst Halt in spätestens 1 Stunde,“ informiere ich und los geht’s. Im Gänsemarsch setzen wir uns in Bewegung. Bei der angekündigten Rast schauen wir noch einmal zurück. Die Fahne flattert zum Gruss. Nun folgt die Passage über das rollende Gestein und dem sandigen Untergrund. Unsere ganze Aufmerksamkeit ist gefordert. Uff, beim stiebenden Steg haben wir’s geschafft, bravo! Nach einer Stärkung nehmen wir den Pfad Richtung Chehlenalptal. Zwei kurze Stücke um glattgeschliffene Felsbacken sind mit einer Stahlkette gesichert. Die nun folgende Route ist anspruchsvoller als in meiner Erinnerung. Beim unteren Lauf der Chehlenalpreuss rasten wir zum Mittagspicknick.
Wir nehmen nun das letzte Wegstück unter die Füsse, ein schöner Höhenweg über dem See. Wieder erfreuen wir uns an der reichen Alpenflora. Unser Blick schweift in die Ferne zum Sustenlimihorn und weit hinüber zum Göschenertal hinaus zu den Windrädern ob Andermatt. Für den ganzen Abstieg bis zum Staudamm brauchen wir gute drei Marschstunden. Bevor wir um 14 Uhr ins Postauto steigen, gönnen wir uns einen wohlverdienten Trunk im Restaurant.
Auf den gleichen Bahnhöfen wie bei der Hinfahrt haltet der Zug und wir steigen um. Wie oft müssen wir während der Fahrt lachen ob der vergangenen Nacht! Eines erzählt die lustigere Anekdote als das andere. Ja, so eine Nacht muss man erlebt haben!
Freude herrscht und Dankbarkeit. Die Herausforderung dieser Tour hat sich gelohnt. Ich verabschiede jedes mit einer herzlichen Gratulation. Ihr habt die Tour mit Bravour gemeistert!

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