Sportlertour Isenfluh-Höji Sulegg-Klein Lobhorn-Schwalmere-Isenfluh – wer wagt gewinnt

 

Leiter: Peter Stähli

Teilnehmer: Andrea Blaser, Rolf Stettler, Andreas Kohler, Michael Lobsiger, David Flatscher

 

Es ist Freitagabend vor der Tour, Meteoblue meldet im besten Fall durchzogenes Wetter und das Lawinenbulletin lautet auf „erheblich, Triebschnee, alle Expositionen“. Ein klarer Fall, denke ich, zum vierten Mal in Serie findet die Sportlertour nicht auf der Schwalmere statt. Während einer Skitour am Samstag finde ich allerdings das „erheblich“ im Gelände nicht und auch das Wetter ist besser als gedacht. Inzwischen ist es Samstagabend, wieder sitze ich am Bildschirm. Und siehe da: Das Bulletin sagt nur noch „mässig“ voraus, Triebschnee, alle Expositionen und Meteoblue meldet ein Wetter, beginnend mit Tagesanbruch und endend mit Einbruch der Dunkelheit, das zwar nicht das schönste wird, aber doch gut genug für eine Skitour. Vorher und nachher soll es regnen bzw. schneien. Jetzt oder nie, sage ich mir und orientiere die Teilnehmer, dass wir nun doch reelle Chancen für die Schwalmere haben.

Es ist Sonntagmorgen. Während der Fahrt nach Isenfluh wäscht feiner Regen das Auto. Fester Glaube an Meteoblue und Zuversicht sind gefragt.

Um 0730 Uhr starten wir in Isenfluh, graue Wolkenfetzen hängen am Himmel, aber immerhin gibt es keinen Niederschlag mehr. Das Seilbähnli nach Sulwald lassen wir Seilbähnli sein. Es will nicht recht ins Konzept einer Sportlertour passen. Zügig steigen wir den Wald hoch. Der hier noch etwas nasse Schnee ist von Wanderern schon vorgespurt. Bald sind wir in Sulwald, wo die Steigfelle nachgewachst werden. Äs tuet uuf, behaupte ich öfters, und immer habe ich recht, früher oder später. Diesmal schon nach einer Stunde: Unter weitgehend blauem Himmel spuren wir über die Mederalp die Hänge zu Pt. 1843 empor. Es folgt ein kurzes Abfährtli auf die Alp Gumma. Den nächsten Aufstieg spuren wir, immer in direkter Linie zur Höji Sulegg, hoch zu Pt. 2040, Chüematta. Nun zeigt sich unser erstes Gipfelziel, die Höji Sulegg, frisch verschneit, vor blauem Himmel, glänzend und in voller Pracht. Noch einige kurze, steile Hänge und wir sind oben.

Die Abfahrt führt uns in Richtung Obers Sulsseewli, wo wir die Steigfelle wieder montieren. Es ist windstill, die Wärme erlaubt es, im Pullover zu laufen und das Blau des Himmels schmerzt schon fast. Die Schneequalität lässt sich am besten mit „Pulver gut“ umschreiben. Im Übrigen ist das Gelände hier noch völlig unverspurt.

Inzwischen habe ich schon einige Meter gespurt. So bin ich nicht traurig, dass wir nach ca. 150 Höhenmetern in die autobahnähnlich gespurte Lobhorn-Querung einbiegen können. Von hier aus sehen wir die Chantbach-Route ins Soustal und entscheiden uns, diese Abfahrt zu machen. Doch bis es soweit ist haben wir noch einiges vor. Nach der Querung lockt unser Gipfel Nr. 2, das Klein Lobhorn. Ein kurzer Hartschneerücken, Skidepot, einige Meter durch Gras und Steine, dann gehört der Gipfel uns. Der Rundblick ist enorm; wir sehen die grosse schon gelaufene Distanz und die ebenfalls noch weite Stecke bis zur Schwalmere. Gleich nebenan erhebt sich das Gross Lobhorn. Aus der Ferne winken die Grossen. Wir geniessen die Aussicht und gönnen uns die erste längere Picknickpause.

Sulz und Pulver wechseln sich ab auf der kurzen Abfahrt bis Pt. 2371. Wind- und Daunenjacken verschwinden im Rucksack und wir montieren wieder einmal die Steigfelle.

Zügig erreichen wir den dritten und wichtigsten Gipfel der heutigen Tour, die lang ersehnte Schwalmere. Für den Gipfelhang sind wir um die Windjacken froh, denn hier zeigt sich nun der vorausgesagte starke Westwind. Entsprechend kurz ist die Gipfelrast. Nochmals pausieren wollen wir dann weiter unten. Heute schon zum dritten Mal heisst es „Gratuliere, super“. Der Tiefblick auf den Thunersee ist imposant. Ebenso eindrücklich ist aber auch der Rückblick auf die bereits gelaufene Distanz. Rund herum nichts als blauer Himmel, weisse Wolkenfetzen, Berge, Berge und nochmals Berge und nach Nordwesten der Weitblick ins Mittelland und zum Jura hin …

Nach den obligaten Gipfelfotos machen wir uns an die Abfahrt über den Gipfelhang. Bis zum Sattel ist es hart und etwas ruppig. Was folgt sind Traumhänge in bestem Pulver. Es hat noch viel Platz für eigene Spuren. Gejauchze hallt von den Lobhörnern wider... Auch die Einfahrt in die Chantbach-Route bietet anfangs noch schöne Hänge, bevor es ruppig wird. Im Soustal angekommen gleiten wir in einer leicht glasigen Spur bis Pt. 1697, wo wir die längst fällige Pause nachholen. Man muss halt Prioritäten setzen: Traumpulver fahren ist wichtiger als Picknick. Nach einem letzten Blick ins Soustal und zum Turm des Schwarze Schopf, der die ganze Szenerie beherrscht, führt uns die weitere Abfahrt bei Pt. 1536 über den Sousbach, bevor wir bei Pt. 1417 den Schlittelweg erreichen. Diesem folgend gelangen wir mit einigen kurzen Tragstrecken zurück nach Isenfluh.

Kurz nach 1600 Uhr erreichen wir das Restaurant Waldrand. Das Wetter hält noch und wir stärken uns draussen auf der Terrasse mit eine Portion Pommes frites und Getränken, die der Situation angepasst sind. Wie nicht anders zu erwarten spielt dabei auch Weizenbier eine Rolle.

Die Bilanz:

  • Rund 8 h 30 unterwegs, inkl. Pausenzeit.
  • Rund 2200 Höhenmeter Aufstieg, ebenso viele Abfahrt.
  • Rund 25 km Marschstrecke, Aufstiege und Abfahrten zusammengerechnet.
  • Wetter mehrheitlich grand bleu, Schnee mehrheitlich Pulver gut.
  • Eine Sportlertour,  die den Namen verdient.

Nach 1700 Uhr verabschieden wir uns von Isenfluh und treten die Heimfahrt an. Bern begrüsst uns mit schwarzen Wolkentürmen, im Grauholz tobt ein Sturm mit Regen, Blitz und Donner. Ende der Vorstellung, Vorhang zu, das Schönwetterfenster schliesst sich ...

Dieser Tag war ein Geschenk. Allen Teilnehmern meinen herzlichen Dank fürs Mitmachen. Und Hut ab vor der sportlichen Leistung. Lange Tour, gute Tour!

 

Melde dich mit deinem Benutzer an, um Kommentare zu erstellen.