Bergführer: Samuel Zeller
Tourenleiter: Jakob Schibli
Teilnehmer: Cornelia Zeller, Beni Herde, Markus Breitenstein, André Hess, Andrea Blaser, Peter Stähli

14. Juli (Anreise, Hüttenweg Domhütte)

Gegen Mittag treffen wir in Randa ein. Der Bahnhof liegt auf 1408 m.ü.M., die Domhütte auf 2937. Wir verzichten angesichts dieser Verhältnisse darauf, eine Beiz aufzusuchen und stärken uns nur kurz mit mitgebrachtem Proviant bzw. am Futterautomaten beim Bahnhof. 

Alsdann kommen Freunde langer Touren ein erstes Mal auf ihre Rechnung. Der Hüttenweg ist steil und im oberen Bereich mit Kabeln, Leitern und Eisentritten auch etwas technisch. Bei schönem und gut warmem Wetter gelangen wir in rund 4h30' in gemächlichem Tempo zur Hütte.

Mit reichlich Tranksame und einem ausgezeichneten Abendessen stärken wir uns für den kommenden Tag. Die Wetterprognose kann uns vorderhand nicht beirren. 

15. Juli (fast zum Dom aufgebrochen, Abstieg zur Europahütte)

Gegen 2 - 3 Uhr morgens zeigt sich, dass die Wetterprognose richtig lag. Draussen ist Waschküchenwetter, dichter Nebel mit Regen. Samuel verzichtet darauf, uns für den Aufbruch zum Dom zu wecken. Niemand hat das Gefühl, etwas zu verpassen. 

Im ersten Morgenlicht zeigt sich das Gelände nicht mehr bloss nass, sondern gut eingeschneit. Rascher schlägt das Herz in der Brust des Skitouren-Aficionados; die Diskussionen drehen sich um die Frage "Steinski oder das gute Paar". Da ohne Ski angereist bleibt uns aber nichts anderes als vernünftig zu sein. Wir geniessen einen schönen Spontanbrunch, zum Abschied baut André noch einen Schneemann, dem wir dank einem von der Hütte geschenkten Rüebli auch eine anständige Nase verpassen. Mit Helm und Pickel sieht er recht wehrhaft aus...

Im Laufe des Vormittags bringen wir den Abstieg in die Europahütte hinter uns. Der ebenfalls eingeschneite technische Teil des Weges hat es in sich. Wohlbehalten und ziemlich durchnässt kommen wir bei der Europahütte an. Bei besserndem Wetter (ich sage es immer wieder: Äs tuet uuf!) geniessen wir die Aussicht auf das frisch eingeschneite Weisshorn und die umliegenden Berge. Der Rest des Tages dient der Kleidertrocknung, dem Vortrinken für die kommenden Touren und der Pflege der Kameradschaft. 

Offensichtlich unterscheidet sich das Publikum einer Wanderhütte von jenem einer Bergsteigerhütte. Wir sind beeindruckt von der hohen Kadenz, mit der die Rotweinflaschen ihren Weg zum Nachbartisch finden. Verglichen damit sind wir äusserst zurückhaltend, den Roten überlassen wir dem Nachbartisch, sogar beim Bier bremsen wir, wobei ich offen lasse, wieweit dies auch mit der Sorte zu tun haben könnte. 

16. Juli (Abstieg nach Randa, Hüttenweg Monte-Rosa-Hütte)

Unser Abstieg nach Randa führt uns über die Charles-Kuonen-Hängebrücke, laut einschlägigen Quellen (https://www.zermatt.ch/Media/Wanderungen-Touren-finden/Rundweg-Haengebruecke-Randa) mit 494 m die längste Fussgänger-Hängebrücke der Welt. Von Randa aus geht es weiter per Zug nach Zermatt, wo wir beim Bahnhof kurz einkehren und unseren Proviant ergänzen. 

Mit der Gornergratbahn fahren wir dann bis zur Station Rotenboden. Hier beginnt der Hüttenweg zur Monte-Rosa-Hütte. Über einen gut ausgebauten Wanderweg, den Gornergletscher, etwas Block- und Plattengelände mit einigen Eisenverstärkungen und eine Hühnerleiter führt dieser neu angelegte Weg in leichtem Auf und Ab der Höhenlinie entlang zur Hütte. Mit ca. 3 h 30' Wanderzeit erreichen wir die Hütte planmässig. 

Nach einem ausgezeichneten Nachtessen in einer der schönsten Hütten, die ich kenne, suchen wir früh unser Nachtlager auf. Der morgige Tag wird wieder etwas für Freunde langer Touren. 

17. Juli (Ludwigshöhe, Parrotspitze, Signalkuppe mit Capanna Regina Margherita)

Schon gegen 0200 stehen wir auf und machen uns ans Frühstück. Unsere Hütte steht auf 2882 m.ü.M., das Ziel (Capanna Regina Margherita) auf 4554 m.ü.M. Man rechne. 

Über den Grenzgletscher steigen wir in Richtung Parrotspitze bis auf ca. 4200 m.ü.M. auf. Eindrücklich und abweisend zeigt sich die Nordwand des Liskammes mit ihren Felsen und Eisbalkonen, streng die Cresta Rey zur Dufourspitze, geradezu lieblich im orangen Morgenlicht hingegen die Parrotspitze. Es ist derart kühl, dass einzelne Mitglieder unserer Gruppe in der Daunenjacke aufsteigen. Samuel trifft es mit dem gemächlichen Tempo perfekt: Alle erreichen die grosse Höhe, ohne unter der dünnen Luft zu leiden. 

Nun teilen wir uns auf: Eine Gruppe steigt direkt auf die Signalkuppe, während die andere noch Ludwigshöhe und Parrotspitze überschreitet. 

Beide Gipfel zeigen sich mit bestem Trittschnee, so dass auch die kurze, steile Flanke der Ludwigshöhe und der schmale Grat der Parrotspitze angenehm zu begehen sind. Sehr eindrücklich ist der weite Horizont, der sich auf diesen Gipfeln auftut. Ein unverstellter Blick auf ein Gebiet von der Grösse der Poebene ist nur von den wenigsten Schweizer Gipfeln aus möglich. 

Nach gut 1900 Höhenmetern erreicht auch die zweite Gruppe kurz vor Mittag die Signalkuppe mit der Capanna Regina Margherita, auf einer Höhe von 4554 m.ü.M. die höchstgelegene Hütte des Alpenraumes. Hier atmet der unwiderstehliche Charme der italienischen Hütten, der Antipasti, primi und secondi Piatti, der Dolci, Espressi, der Birra Moretti und eines Göttertrankes namens Genepi. Zum Mittagessen gönne ich mir ein ausgezeichnetes Stück Pizza (Margherita, natürlich). 

Auch Bilder der Namensgeberin sind im Speisesaal zu betrachten, wobei wir uns nicht sicher sind, ob S.M. Reine Marguerite nun die Signalkuppe aus eigener Kraft erstiegen hat oder eben doch im Tragkorb auf den Gipfel gehievt wurde, der am Rande eines der Bilder zu sehen ist. 

Den grossen Teil des Nachmittages verbringen wir im Liegen (Chillen, würden jüngere Clubmitglieder sagen) und mit Nach- und Vortrinken. Glücklicherweise ertragen alle die Höhe gut. Die spärlichen Toilettenanlagen ermöglichen ungewohnte kulturelle Erfahrungen. 

Nach einem herrlichen italienischen Nachtessen folgt eine frühe Nachtruhe, die leider dadurch beeinträchtigt wird, dass auf dem Gang unauslöschbar die Lichter brennen. Vielleicht ist dies die Hüttenversion des Ewigen Lichtes... Da unser Schlafraum keine Türe hat, bleibt er die ganze Nacht hell erleuchtet. An Schlafen ist so nur beschränkt zu denken, zum Übernachten reicht es aber. 

18. Juli (Zumsteinspitze, Grenzgipfel, Dunantspitze, Dufourspitze, Abstieg nach Zermatt und Heimreise)

Niemand ist unglücklich, als der Hahn aus meinem Smartphone kräht. Kurz nach 0430 erhalten wir unser Frühstück und um 0530 starten wir Richtung Zumsteinspitze. Der Sonnenaufgang, die feine Nebelschicht und die im Morgenlicht über der Poebene emporwachsenden Wolkentürme sind höchst eindrücklich. 

In vier Zweierseilschaften erreichen wir sehr rasch die Zumsteinspitze. Der nun folgende Abstieg, rittlings über einen schmalen Schneegrat zum Grenzsattel, ist sehr ausgesetzt und anspruchsvoll. Dank gutem Trittschnee lässt sich das Ganze etwas entschärfen, wenn man nur einen Fuss auf den Grat und den anderen in die Flanke setzt. 

Nach dieser heiklen Passage folgen abwechselnd Schneefelder und schöner Fels, über die wir in einfacher Kletterei rasch zum Grenzgipfel hochkommen. Alle Seilschaften meistern die Kletterei so speditiv, dass wir den Zeitverlust vom Grenzsattel wettmachen und - nach Passieren von Grenzgipfel und Dunantspitze - planmässig nach ca. 3 h 45' auf dem höchsten Schweizer ankommen. Gross ist die Freude an der gelungenen Besteigung der Dufourspitze bei derart guten Verhältnissen. Beni können wir heute sogar fünfmal gratulieren (4 Gipfel und 1 Geburtstag). Herzliche Gratulation auch nochmals auf diesem Wege, lieber Beni! 

Der Abstieg führt uns zuerst über den felsigen Westgrat der Dufourspitze, dann über Firn, der nach Passieren des Bergschrundes durch den deutlich flacheren Monte-Rosa-Gletscher abgelöst wird. Hier ist es nun wieder sommerlich heiss und eine Tenueerleichterung dringend angezeigt. Helme weichen Sonnenhüten. Der Gletscher verlangt volle Aufmerksamkeit, denn er hat spaltenreiche Zonen. Mit einigen wenigen Spaltentauchern bis Hüfthöhe gelangen wir zur "Obere Platje" auf ca. 3100 m.ü.M. Durch Block- und Plattengelände kommen wir schliesslich nach knapp 8 Stunden planmässig wieder zur Monte-Rosa-Hütte. Wärme und Durst sind gross, aber mit einer Büchse Sprite, einer Büchse Weizenbier und einem grossen Glas ausgerüstet lässt sich ein Liter wunderbares Panaché bauen (in Bayern würde man sagen "an Russ'n"), um den Dämon zu verscheuchen. Herzlichen Dank an Beni, der dieses Apéro übernommen hat!

Nun folgt noch der Hüttenabstieg, in umgekehrter Reihenfolge wie schon beschrieben. Die lange, schon vom Dufourgipfel aus sichtbare sanfte Steigung vom Gletscher bis Rotenboden wird mental fordernd. Nicht ernst gemeinte Bemerkungen, es komme dann noch eine Schlusssteigung, werden zunehmend als Akt missglückten Humors betrachtet. Doch irgendwann ist es geschafft, und erst noch planmässig in gut 3 h 30' ab der Hütte. 

Leider hat die letzte Bahn den Rotenboden vor 20' verlassen und folgt die nächste erst in 40'. Statt an der Zugluft herumzusitzen steigen wir zu Fuss zur Station Riffelberg ab, wo es auch einen Kiosk hat, um sich ein erstes Mal wieder zu verpflegen. Mit der Bahn, die gut 15' nach uns eintrifft, erreichen wir Zermatt gegen 1900 Uhr. Auch die Verpflegungsmöglichkeiten am Bahnhof Zermatt nutzen wir gerne, bevor uns der Zug nach Hause bringt. Kurz vor 2200 sind auch die Burgdorfer wieder zu Hause.

Schluss und Dank

Damit geht eine sehr eindrückliche Hochtourenwoche im Monte-Rosa-Gebiet zu Ende. Dass die Besteigung des Doms wegen Schlechtwetter nicht geklappt hat, tut dem Ganzen keinen Abbruch. Allen meinen herzlichen Dank für die tolle Bergkameradschaft, Jakob fürs Organisieren und Samuel für die wiederum ausgezeichnete, umsichtige Führung!

Peter Stähli

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