Leiter: Beni Herde
 Teilnehmer: Markus Breitenstein, Jakob Schibli, Peter Stähli, Bernhard Manz

 

9. Feb. 2019, Aktive, WS, Winterklettern im Jura, Leiter Beni Herde. So steht es im Jahresprogramm 2019. Ziemlich leichtfertig melde ich mich nach dem Donnerstag-Hallenklettern bei Beni für diese Tour an. Eine Woche vor diesem 9. Feb. melden sich Zweifel. Es hat ziemlich geschneit, auch im Jura.

Der Aufstieg sollte durch die steile Risi hinaufgehen zwischen den Südwänden und dem Südgrat der Balmfluh. Früher konnte man dort nach dem Aufstieg durch die Südwände im Schotter hinunterrennen. Heute ist alles leergefegt, nur noch ein steiles, schmieriges und felsiges Couloir ist geblieben. Was, wenn sich dort eine Lawine löst, wir mitten drin. Ich wurde doch vom SAC kürzlich geehrt, nicht wegen Leistung, sondern wegen Alter. Bin ich denn noch der Aktive und WS könnte doch im Winter von Wenig zu Wahnsinnig Schwierig mutieren? Am Freitag ist das Wetter trüb und warm, auch kein Aufsteller. Muss ich das noch in meinem Alter? 

Am Samstag treffen wir uns ca. um neun Uhr bei der Ruine Balmfluh. Ausgerüstet mit Gamaschen, Pickel, Steigeisen, Helm und Seil. Der Himmel ist noch grau, bedeckt. Wir steigen durch den Wald hinauf zum Anfang der Risi, die sich weit fast bis zum Grat hinauf zieht. Steigeisen, Klettergurt an, Seilschaften gebildet, dann geht’s los. Der Schnee ist nicht hart aber ganz ok., das Wetter wird immer besser und plötzlich ist mir richtig wohl, ich fühle mich im Element, zuhause irgendwie. Nach etlichen Höhenmetern verlässt Beni die Risi um nach rechts oben über die verschneiten Felsen zum Wandbuch der Südwände zu gelangen. Wir müssen aber erkennen, dass wir zu früh das Couloir verlassen haben. Dann bauen wir halt noch eine Abseilübung ein, was soll’s. An einem «Jurasicherungspunkt» (Baum) wird das Seil befestigt und wir seilen wieder in die Risi hinunter. Über den steilen Schnee, Felsen und «Juradräck» arbeiten wir uns, Beni voran immer schön gesichert mit Steigeisen und Pickel hinauf. Eintrag ins Wandbuch. Wir machen in diesem Jahr den zweiten Eintrag, vor uns, d.h. vor ein paar Tagen waren Beni und Jakob schon in diesen Abhängen der Balmfluh und erkundigten unsere Tour. Durch den verschneiten Wald, über kleine Felsstufen erreichen wir den Ostgrat. Den letzten Teil des Grates umgehen wir auf der Nordseite über steile Schneehänge, zeitweise einer einsamen Schneeschuhspur folgend. Unsere knurrenden Mägen kann Beni nicht bremsen. Erst als wir auf dem Balmfluhköpfli stehen, gibt’s den sicher verdienten Mittagshalt. Peter hat die ganze Zeit eine Wundertüte mitgeschleppt. Er bietet uns eine heisse Bouillon an, dazwischen gibt’s individuelle Spezialitäten wie Käse, Speck und Wurst, aber zum Abschluss verwöhnt er uns wieder, diesmal mit einem heissen Kaffee. Der Peter darf wieder mitkommen!  Wir steigen auf der Nordseite ab, durch die Mulde, die sich nach Osten zum Strässchen hinunterzieht. Was heisst hier absteigen, wir wühlen uns durch den nassen und tiefen Schnee hinunter. Immer wieder sackt jemand bis zum Hintern in ein Schneeloch. Peter findet Freude daran in die tiefsten Löcher «zämefüesslige» zu springen. Es ist dann Jakobs Vergnügen nach Peter die nun noch grösseren Löcher zu umgehen. So gibt es einiges zu lachen bis wir wieder bei der Ruine Balmfluh und den Autos sind. In Günsberg schliessen wir die Tour etwa um drei Uhr vergnügt mit einem Bier ab und danken Beni und Jakob für die Leitung und Vorbereitung des Tages.

Halt, da war doch die Frage, muss ich das noch in meinem Alter. Ja, ich muss und darf. Hie und da ausbrechen aus der Norm, sich überwinden, ein bisschen Abenteuer, und ganz nah den Dörfern und Städten wilde Natur erleben. Das reicht.

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