"Erheblich, Neu- und Triebschnee, alle Expositionen, oberhalb von 2000m". Dies ist die Kernaussage des Lawinenbulletins für die Schwalmere, die eigentich das Ziel der diesjährigen Sportlertour gewesen wäre.

2018 03 04 15.22.45k

Leiter: Peter Stähli
Sportler: Christine Lobsiger, Michael Lobsiger, Giorgio Tedde, Martin Mischler, Florian Reinhard

 

Wie letztes Jahr ist also Verzicht angezeigt. Schwalmere, wir kommen. Irgendwann.

Diesmal lautet die Alternativtour: Grindelwald, Parkplatz Gaggi (sic!) Säge (1116 m.ü.M.) - Bussalp - Burgseeli - Winteregg (Pt. 2521) - Burgseeli - Faulhorn (2681 m.ü.M.) - Geeren - Grindelwald.

6 Freunde langer und schneller Touren finden sich also am Sonntagmorgen an besagtem Parkplatz ein. Bevor wir starten können, machen wir Bekanntschaft mit der Grindelwalder Hermandad, deren auch Sonntags früh aufgestandener Vertreter uns freundlich, aber bestimmt darauf hinweist, dass wir 1 Auto zuviel auf dem Parkplatz lassen wollen. Eigentlich sei es gar nicht wegen unseres Autos, aber wegen der Nachahmungstäter, die dann ihre Fahrzeuge in die Schleppkurve der Schlittelbusse stellen würden, was natürlich den Schlittelbetrieb auf der Bussalp zum Erliegen brächte. Komplizierte, aber ansatzweise fassbare Zusammenhänge. Eingedenk der Kostenfolgen einer behördlichen Abschleppung stellen wir 1 Fahrzeug ins Parkhaus und starten mit kleiner Verspätung. Aber alles muss seine Ordnung haben.

Nach einigen Metern Portage steigen wir in die Bindung und gelangen über die Schlittelpiste zügig auf die Bussalp. Einige Kehren kürzen wir ab mit einer eigenen Spur. So haben wir auch einen ersten Eindruck von den Schneeverhältnissen: Meist tragende Unterlage mit einem Schüümli Pulver, das wohl mit der tageszeitlichen Erwärmung nass wird. Nach einer kurzen Pause auf der Bussalp spuren wir hoch in Richtung Burgnollen. Die Schlittelpiste wird nur noch auf kurzen Abschnitten benutzt, schliesslich wollen wir den Schnee spüren. Schon jetzt ist die Wärme beträchtlich. Aber dafür ist die Skitour Grindelwald - Faulhorn ja bekannt. Hände und Unterarme werden mit Sonnencrème nachbehandelt, Schweiss rinnt, Getränke sind begehrt. Die Spurarbeit vom Burgseeli bis hoch zum Pt. 2521 der Winteregg ist anstrengend, der Schnee ist in der Sonne schwer geworden. Das Panorama lohnt die Mühe alleweil, hinter Schoneggen schauen Esel, Simelihorn und Reeti hervor und weiter im Osten Wetterhorn, Bärglistock, Schreckhorn, Finsteraarhorn, denen sich im Süden die Fiescherhörner, Eiger, Mönch und Jungfrau anschliessen, gefolgt von Äbeni Flue, Breithorn, Blümlisalp und Doldenhorn. Und von Westen her grüsst der Piz Gloria, Kennern auch als Schilthorn bekannt, und grinst uns die Schwalmere an, die sich auch heute den Besteigungsversuchen des SAC Burgdorf entziehen kann. Wir nehmen es ihr nicht übel und geniessen den schlicht prächtigen Skitourentag. Pt. 2521 lassen wir dann unseren ersten Gipfel sein. Die Besteigung des höchsten Punktes der Winteregg ist zu gefährlich; der Zugang ist stark verwächtet, ausserdem sind die Triebschneeablagerungen nicht gut mit der Unterlage verbunden, wie uns drei eindrucksvolle Wumm-Geräusche im flacheren Gelände gezeigt haben. Vorsichtige Routenwahl und Zurückhaltung sind angezeigt, auch wenn das Bulletin hier "mässig" angegeben hat. Nach 4 Stunden, etliche Horizontalkilometer und gut 1400 Höhenmeter reicher haben wir auch den Ausblick auf Brienzergrat, Hohgant, Furggengütsch, Schibegütsch, Schrattenfluh, Pilatus und viele mehr. Östlich ist bereits das Faulhorn zu erkennen, das von hier aus auch direkt über die Krete zu erreichen wäre.

Doch wir denken nicht daran, uns die erste Abfahrt durch etwas schweren, aber wunderbar zu fahrenden Pulver (ca. 10 - 20 cm auf tragender Unterlage) entgehen zu lassen. Schon bald sind wir wieder beim Burgseeli angelangt und treffen auf ca. 2100 m.ü.M. auf die Schlittelpiste. Hier ziehen wir die Felle wieder auf und machen uns auf den Weg in Richtung Faulhorn. Eine eigene Spur zu legen wäre zu gesucht, es gibt keine elegantere Lösung als bis zur Gärstegg der Piste zu folgen. Entsprechend rasch können wir die lange Traverse bewältigen. Erst im Südhang des Faulhorns folgen wir einer Skispur, wobei ich einzelne Abschnitte neu spure. So wissen wir auch hier, was in der Abfahrt auf uns zukommt. Beim Hotelgebäude deponieren wir die Skis und steigen die verbleibenden 20 m zu Fuss zum Gipfel. Nun sind wir rund 6 Stunden unterwegs. Die Rundsicht ist eindrucksvoll, das Wetter nach wie vor postkartenwürdig. Einschliesslich aller kurzen "Wellen" in der Spuranlage und im Routenverlauf zeigen die Höhenmesser, dass wir heute gut 2000 Höhenmeter Aufstieg bewältigt haben. Höchste Zeit für das zweite Picknick und Coffee-Time. Nur der Kirsch fehlt heute, die Devise war ja "go light go fast"...

Die Abfahrt durch den Südhang und weiter über Wurestand und Geeren bietet wunderbar zu fahrenden, wenn auch etwas schweren und untenheraus frühlingshaft nassen Pulverschnee auf einer zuverlässig tragenden Unterlage. Alle finden genügend Platz, um die eigene Spur in den Schnee zu zeichnen. Bei Pt. 1744, der den malerischen Flurnamen "Chneuwbrächer" trägt, treffen wir wieder auf die Schlittelpiste. Stellenweise erinnern hier die Verhältnisse an Wasserskifahren; Sonne, Busse und Schlitten haben ganze Arbeit geleistet. Zwischen den Kehren der Piste können wir immer wieder abkürzen. Der frühlingshafte Schnee ist auch hier noch überraschend gut zu fahren.

Bei der Pistenbar "Weidli" ist dann die Abfahrt zu Ende, denn ab hier ist die Strasse aper. Nicht dass wir die letzten ca. 15 Minuten Fussmarsch mit dem Schlittelbus abkürzen würden, wir sind ja auf einer Sportlertour. Nach 8 Stunden und 5 Minuten kommen wir wieder beim Parkplatz an, wo wir erfreut feststellen, dass die Hermandad unser Auto nicht abschleppen liess. Wir waren ja auch schön folgsam am Morgen. Alle sind sich einig, dass diese Alternativtour uns einen langen, sportlichen Tourentag mit zwei wunderschönen Abfahrten geboten hat. Und die Schwalmere läuft nicht davon ...

Den mittlerweilen grossen Durst löschen wir im Bistro Memory (Hotel Eiger). Ein gutes Haus, das nebst ausgezeichneten Burgern (faits maison, nicht Fast Food) auch Appenzeller Weizenbier anbietet. Die Heimfahrt gibt uns infolge Stau noch Gelegenheit, die Gestade der Schwarzen Lütschine etwas genauer in Augenschein zu nehmen. Doch das war der Tag wert. Und noch vor 2000 war auch der Schreibende wieder zu Hause.

Fazit: Lange Tour, gute Tour! Allen meinen herzlichen Dank fürs Mitmachen, und Hut ab vor der sportlichen Leistung!

Peter Stähli

 

 

 

 

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